Gedanken Reinhold Knolls

Für Wolferl…

Zum Achtzigsten

Wie windhunde, die einem  künstlichen hasen nachfegen, so fliegen die jahre in der geschichte der menschheit dahin. Während sich sterne in altgewohnter weise drehen, dreht einer den spieß um.“ (H.c. Artmann, Unter Bedeckung eines Hutes, Montagen und Sequenzen, Frankfurt 1976, S. 49)

So ist Wolferl. Einfach den Spieß umgedreht – im kalten Februar 2000. Alle waren perplex. Auch Louis Michel in Paris. Soeben noch Dritter. Die Fahrgemeinschaft im Porsche von Jörg hat entschieden: Er soll´ s machen. Und er machte es.

So ist er hinein in den Ballhausplatz. Auf dem Schaukelpferd, Holzschwert hoch erhoben und am Kopf den Tschako aus Packpapier. Bis hierher ein Kinderspiel. Alles Weitere war Formsache. Da mag schief vis á vis der hinterfotzige Tommy Gott, Paris und die Welt anrufen, es wird nichts nützen. „Eine nachricht gebiert die andere: so entstehen gerüchte über fremde länder und deren Bewohner – lügen  wie fasane ohne leber….“ (ebd.)

Über eine Kellerstiege taucht eine vollzählige Regierung auf. Sie sonnt sich beim Meineid auf die Republik im Schlafzimmer der Maria Theresia. Und Jörg war schon über alle Berge. Erst nach dem Katschberg hatte er  wieder Frohsinn im Leib.

Thomas, ganz Präsident, bitter ernst, steif, aufrechter Zinnsoldat, Margot Hoheit und ganz Marquise de Maintenon, beide ganz Republik, vor dem feixenden Getümmel der Minister. Großer Auftritt eines abscheulichen Theaters.

„das gespenst hat sich der klaren Nacht wegen in ein zerschlissenes Fahnentuch gewickelt:“ (ebd.)

Das Fahnentuch war aus rotem und weißem Stoff. Am Dach der Präsidentschaftskanzlei. Und Wolferl stellte namentlich vor: Und hier, Majestät, der neue Minister des Ministeriums zur freien Entnahme.

Nanu?

Ja hatte Wolferl gesagt. Nun ist privat, wo früher ein Staat. Der Präsident fixierte die Löffler, die Löffler den Grasser, der Grasser die Riess-Passer. So passte es. Alle nickten.

Erinnern Sie sich noch, Herr Doktor? Sie waren 55. Und über die Kellerstiege erreichten Sie offiziell den Amtssitz. Auf ihm nahmen Sie Platz, ein Wegelagerer in einer Art selbstgebauter Ritterrüstung.  A pro pos. Da streifte der Blick über den ganzen Heldenplatz und Sie sprachen alle frei. Nicht wie Figl im Belvedere, sondern ihr alle, Ministerien und Museen, Theater und Kostümleihanstalten, Ämter und Dampfschifffahrtsgesellschaft könnt ab nun tun und lassen, was ihr wollt.  Bundesforste, Schlösser ohne Riegel, Fischereien und Jagden, ihr gehört ab jetzt euch selbst. Kein Staat soll euch pressen. Erinnert Ihr Euch, Herr Bundeskanzler? Keine Gegenstimme. Die am Donnerstag hörtet Ihr nicht. Und war auch jämmerlich: Widerstand! Seit wann? In diesem Land, in dem es nicht mal Drückeberger gab? Sie haben das mahnende Wort aus der Hochschulgemeinde glatt vergessen: „so wird er kaum gold gewinnen, sagt der geistliche, wohl aber die ewige finsternis.“ (ebd. S.50)

Je mehr Sanktionen Louis Michel erfand, desto leichter fühltet Ihr Euch im Amt. Viel Feind – viel Ehr. So war es dann. Da hatte freies Wirtschaften nach Hayek noch keinen Haken. „ein giftiger baum in der mitte des Waldes, in dem man bisweilen wertvolle heilstoffe entdeckt.“ (ebd. S.51)

Das war alles in der „DARSTELLUNG UND BETRACHTUNG EINES MAGINÄREN ZUSTANDES“ nach H:C: Arttmann enthalten –schon früher. Hat Sie diese Prognose nie beunruhigt? Sie hätten wissen können, dass über Kurz oder lang ein Benko entsteht. Das lernt man doch. Sie sind der Großvater vom Heute. Freut Sie da Ihr Achtziger? Die Geister, die Sie riefen, sind jetzt da. Ein jugendlicher Macbeth zertrümmerte Ihre Partei, die Sie schon damals nicht mochten.

„eine traube aus feinsten delicten, daraus man den perlenden wein des verbrechens keltert.“(ebd. S. 81)

Und der Herbert ist nicht Jörg. So klein er auch ist, Giftzwerg, bleibt er nicht hinter sieben Bergen bei den sieben Zwergen. Der nicht. Ein besserer Kurz und Volkskanzler. Studienabbrecher sowieso, also ehrgeizig. Er hat die Studienrichtungen schnell durchschaut: Produktion von Unsinn und Opportunismus. Das spricht für ihn. Auf ihn kann die Alma Mater Rudolfina stolz sein: habe ach Politikwissenschaft, Geschichte und auch Philosophie durchaus studiert – da stehe ich und weiß genug. Das sind Ihre Gene. Das soll europäisch sein?

Ellbogenmentalität. Hoppla, zuerst komm ich. Und die sind jetzt da. Sie hetzen die Republik zu Tode. Medial, optional und überhaupt mit Geld. Jetzt.

Und Sie müssen es inzwischen wissen – mit 80: „eine nachtigall allein macht noch lange keinen guten morgen….“ (ebd. S. 93)

Sie kennen vielleicht die höchsten Gebirge? Wirklich? „Ich glaube, dass es die sehnsüchte der menschen sind…“ (ebd. S. 94)

Alles Gute, wenn es das Gute noch gibt…..