Gedanken zum Amtsantritt von Donald Trump
In Völkern früher Kulturen zählten Geister, Götter, geheimnisvolle Naturgewalten zur Wirklichkeit. Mit dem Fortschritt der europäischen Wissenschaften wurde das Unsichtbare seiner Geheimnisse beraubt, war mit der Vergegenständlichung zur Erweiterung der dinglichen Welt geworden. Damit war das Unsichtbare aber nicht beseitigt. An Stelle der Geister, der Traumgebilde entdeckte man Bazillen und Bakterien, die bald als gefährlich eingeschätzt wurden. Noch im ersten Weltkrieg war das Kampfgas zur unsichtbaren, grausamen Waffe geworden. Unmerkbar gelangten diese giftigen Wolken in die Schützengräben, und verursachten das grausamste Sterben bei Tausenden Soldaten. Nicht zuletzt hatte die k.u.k. Armeeführung Kampfgas eingesetzt, sodass knapp vor Kriegsende 1918 auf italienischer Seite im Herbstnebel bis zur Poebene kein Truppenverband mehr vorhanden war. Dass ein tödliches Gas während des Zweiten Weltkriegs nicht eingesetzt wurde, versetzt in Staunen, während es für die Ermordung der Juden in den Konzentrationslagern als Zyklon B generell verwendet wurde.
Davor war mit der Erfindung der „Röntgen-Strahlen“ eine weitere Variante des Unsichtbaren entwickelt worden. Sie machten anatomische Konstellationen sichtbar. In weiterer Folge war die Radioaktivität als Strahlung erkannt und sehr schnell war daraus die Möglichkeit einer furchtbaren Waffe entwickelt worden: die Atombombe.
Die erste Wirkung war vorerst als konventionelle Folge einer besonderen Brandbombe wahrgenommen worden, als ein Feuersturm, der selbst das Bombardement von Coventry und Dresden in den Schatten stellte. Erst später konnte man die Folgen diagnostizieren, das langsame Sterben der mittelbar betroffenen Opfer. Der Abwurf der beiden ersten Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki war die nachhaltige Auslöschung einer Unterscheidung nach Kriegsrecht und Genfer Konvention – alle sind „belligerent“, „Kriegführende“ geworden, also auch Zivilisten, auch neutrale Helfer im Dienst des „Roten Kreuzes“. Die atomaren Unfälle – Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima – lehrten für erstaunlich lange Zeit die Generalstäbe aller Armeen und auch die Politiker, in keinem Fall die Auseinandersetzungen mit atomaren Waffen auszufechten. Vermutet wird allenthalben, dass wahrscheinlich Hitler diese Waffe, würde es diese in Deutschland gegeben haben, eingesetzt hätte. Jedenfalls im Kalten Krieg war die Ächtung der Bombe ein beliebtes Mittel der Kritik an der US-amerikanischen Außen- und Machtpolitik. Das hinderte mehrere mächtige Staaten nicht, mit der Atombombe zu experimentieren. Es wurden auch kleinere wie auch an die Strategie angepasste Bomben produziert. Es überrascht daher, dass selbst eine „nach Maß gefertigte“ Atombombe noch nicht angewendet wurde. Weder im Korea-Krieg, noch im Vietnam-Krieg waren diese Kampfmittel zum Einsatz gekommen. Die berüchtigten Napalm-Bomben waren nur die Steigerung der traditionellen Brandbomben gewesen.
Es wird mehrere Gründe gegeben haben, vom Einsatz atomarer Waffen Abstand genommen zu haben. Der wichtigste Grund wird wohl der gewesen sein, den Henry Kissinger als einer der ersten in „Kernwaffen und auswärtige Politik“ erwähnt hatte: Jenes Territorium, das mit einer Atombombe zerstört wurde, ist für viele Jahre nicht besiedelbar. Mag sich das auch geändert haben, so war Kissinger nicht der Auffassung von Henry Morgenthau, mit atomarer Bedrohung einen Gegner in einen „vorgeschichtlichen“ Zustand zu versetzen. Kissinger hatte 1959 sehr realistisch die Möglichkeiten eines Einsatzes atomarer Waffen überlegt, doch war er letztlich der Überzeugung, einen derartigen Krieg vermeiden zu müssen. Selbst in der bedrohlichen Lage im Vietnam-Krieg, samt dessen erhebliche Auswirkungen auf die US-amerikanische und westeuropäische Zivilbevölkerung – bis zu den Studentenunruhen, wäre der Einsatz von Atomwaffen nicht gerechtfertigt gewesen.
Mit den Machtverschiebungen, mit der neuen „Ebenbürtigkeit“ mehrerer Atommächte, es kamen eben Indien, China, Israel, Taiwan(?), Pakistan, Iran zu dem „Club der 5 Atommächte“ hinzu, steigt die Möglichkeit, im Konfliktfall Atomwaffen einzusetzen. Dass Putin im Ukraine-Krieg keine Atomwaffen vorsieht, verdankt diese Region dem Umstand, nach einem „russischen Sieg“ die „Welternährung“ als politisches Instrument zu nutzen. Eine Atombombe auf das Territorium der Ukraine würde diese Möglichkeit zu Nichte machen.
Da anzunehmen ist, dass sowohl der neue Präsident in den USA als auch Putin ähnlich geartete Pläne verfolgen, nämlich die „Weltgesellschaften“ zu dominieren, wird man wohl auch an eine von Atomwaffen gestützte Strategie denken. Wenn Europa in geraumer Zeit zum Einflussbereich Russlands gehören soll, wird dort ein Widerstand zu brechen sein. Möglicher und erheblicher Widerstand ist von Polen und Finnland zu erwarten. Die Spekulation wird lauten: der Widerstand Polens ist zu brechen, unter Umständen auch mit Atomwaffen. Es ist auch weltweit kein Protest zu erwarten. Polen wird traditionell von Deutschland keine Hilfe erhalten, wie auch Polen stets ein Hemmschuh zaristischer Politik war – als Warschau noch zu Russland gehörte. Bei Finnland wird man vorsichtiger sein müssen, da unter Umständen die skandinavischen Staaten einen Angriff auf Finnland nicht hinnehmen werden.
Diese beiden Staaten – Polen und Finnland – werden die abgenutzte „Stimme Europas“ bilden, während alle anderen „Europäer“ in Russland den verlässlicheren und lohnenderen Partner sehen, der sogar die deutlich zurückgebliebene Produktpalette aus Europa benötigen wird.
Die nächste Atom-Macht China hätte zwar allzu gern Taiwan okkupiert, doch das Risiko ist zu groß. Da China dringend nach Siedlungsräumen sucht, liegen Angriffe auf Australien und Neuseeland auf der Hand. Selbst eine gütliche Einigung mit Russland, die Mongolei für ein künftig chinesisch besiedeltes Land zu nutzen, wird nicht reichen, die neuen chinesischen Weltmacht-Ambitionen zu dämpfen. Der Abwurf einer Atombombe auf Australien wird nur geringe Folgewirkungen atomarer Bestrahlung zeigen – Wüstengebiete -, den möglichen militärischen Widerstand aber sofort beenden. Ähnliches wird wohl für Neuseeland zutreffen.
Eine Militärpolitik mit Kernwaffen wird wahrscheinlich der Iran in die strategische Planung einbezogen haben. Wenn es stimmt, dass das Regime auf tönernen Füßen steht, Anzeichen eines Machtwechsels sich mehren, wird in dieser Lage die Bereitschaft steigen, Atomwaffen einzusetzen. Ziel ist Israel, das umgekehrt Gleiches plant, allerdings mit US-amerikanischer Hilfe. Hier ist nicht nur mit einem atomaren Schlagabtausch zu rechnen, sondern in dieser Feindschaft geht es um´s Überleben. In Europa waren nie vergleichbare Bedrohungsszenarien nach 1945 eingetreten, selbst wenn man Sorge hatte, die Aufstände in Budapest 1956 und in Prag 1989 würden eine militärische Intervention des „Westens“ heraufbeschwören.
Interessant wird die Haltung Chinas zu dieser Frage sein. Werden Sie ihre Strategie-Modelle mit oder ohne Atomwaffen überlegen? Sollte man einen „Landgewinn“ in Australien planen, in Neuseeland, sollen die zahlreichen Häfen der Welt zu Stützpunkten chinesischer Interessen werden? Es ist denkbar, dass den Begehrlichkeiten einiger Widerstand entgegengesetzt wird. Damit wird wohl die Gewaltanwendung wichtig werden, die chinesischen Streitkräfte werden letztlich die Interessen der großen Pläne umzusetzen haben – und sehr realistisch über die Anwendung atomarer Gewalt nachdenken. China ist mit Indien eine Weltmacht, während der Zeit des Kolonialismus und Imperialismus „zu kurz“ gekommen und nun die versäumten Gelegenheiten nachzuholen versucht. So ist Australien im Fadenkreuz der chinesischen Okkupationspolitik. Einmal hatte man sich mit den kleinen Staaten am Himalaya begnügt, doch das war nur eine Arrondierung der vormaligen Reichsgrenzen verschiedener Dynastien. Gegenüber den nördlichen Nachbarn wird man vermutlich im Tauschverfahren mit Russland Gebietserweiterungen durchsetzen, etwa die Mongolei, um der chinesischen Bevölkerung einen geeigneten Lebensraum zu bieten. Freilich ist Australien das geeignetere „Erweiterungsgebiet“ und den möglichen Widerstand gegen die chinesische Okkupation wird man mit dem Abwurf einer „kleinen Bombe“ brechen können.
Völlig undurchsichtig sind die Ziele der „Brics-Staaten geworden. Deren Vereinigung war ursprünglich eine Idee aus Überlegungen der Bank „Goldman Sachs“, doch mit der Vereinigung von China, Brasilien, Russland, Südafrika, Indien waren 3 Milliarden der Weltbevölkerung unter einen Hut gebracht worden. Da weitere Staaten Mitglied wurden, entwickelte sich eine starke Alternative zur traditionellen weltpolitischen Achse zwischen Washington-Peking-Moskau. Freilich wird man den Verdacht nicht los, dass diese neue Konstellation, vor allem mit der Intention der „Ent-Dollarisierung“ der Weltwirtschaft, nicht nur neue Konfliktherde verursacht, sondern insgesamt in den Gesellschaften jene Diversität steigert, die die Spannung zwischen „sozialer Kategorisierung“ und „sozialer Organisation“ weltweit erhöht. Man könnte diese Situation aus dem Kenntnisbereich der Ethologie beschreiben: die Intraspezifische Aggression entlädt sich in ein exspezifische Aggression. Es ist die Konsequenz aus der Darstellung jener „Superdiversität“, die Stephen Vertovec jüngst veranschaulichte. Hier ist die erhöhte Wahrscheinlichkeit der Anwendung von Atombomben gegeben.
Innerhalb dieses Spannungsfelds spielt ausgerechnet Indien eine besondere Rolle. .
Nachdem Indien ebenfalls im Club der Atommächte Platz genommen hatte, war diese atomare Aufrüstung vorwiegend wegen der erbitterten Auseinandersetzung mit Pakistan notwendig erschienen. Bei weitem ernster ist der immer wieder ausbrechende Grenzkonflikt mit China. Die Streitigkeiten reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück als Indien noch zum englischen Commonwealth gehörte. Die letzte Auseinandersetzung fand 2000 statt. Es sind vornehmlich als „Raufereien“ bezeichnete „Kämpfe“, allerdings waren bei der vorletzten Auseinandersetzung etwa 2000 indische Soldaten gefallen. 2020 drang erneut chinesisches Militär in die Region Sikkim/Ladakh an der Grenze zu Tibet ein, doch war nach dem Tod von sechs indischen Soldaten der Konflikt rasch beigelegt worden, da die Tagung der Brics-Staaten in Kasan bereits anberaumt war.
Nun liegt es im indischen Interesse, die alte Nordgrenze des riesigen Staates zu sichern. Die Aufrüstung der indischen Armee erfolgte nach der Errichtung der Atomkraftwerke ab 1962/65. Inzwischen bilden etwa 1 Million Soldaten die indische Armee, die wie China mögliche Landnahmen zu verwirklichen haben wird. Obzwar Indien wegen des politischen Erbes von Mahatma Ghandi im Ruf unbedingter Friedfertigkeit steht, zwingen die aus dem Bevölkerungswachstum sich ergebenden ökonomischen Schwierigkeiten zu einer Expansionspolitik. Obwohl Indien zögert, diese Absichten zu nennen, ist es dem unverblümten Stil chinesischer Militärpolitik vorbehalten, die Absichten einer Aggression offen zu formulieren – etwa durch die offen gezeigte Dominanz der Marine im chinesischen Meer, das noch als internationale Zone gilt.
Für Indien liegt es nahe, die Küste Westafrikas zu „kolonisieren“ – einschließlich Südafrika. Inwieweit dafür Militärkräfte zum Einsatz kommen, wird wohl an der Akzeptanz indischer „Kolonialpolitik“ in West- und Süd-Afrika liegen.
Gleichzeitig sah sich Pakistan zur atomaren Aufrüstung gezwungen, um der denkbaren Expansion Indiens einen Riegel vorzuschieben. Die Abtrennung von Ost- und Westpakistan von Indien, wobei aus einem Teil Bangladesh entstand, hatte die Befürchtung zur Folge, dass zu einem geeigneten Zeitpunkt Indien den muslimischen Teil seines „Reiches“ zurückholt. Um dieser Bedrohung vorzubeugen, hatte man schleunigst in eine atomare Aufrüstung investiert, sodass eine Patt-Stellung entstand, die bis heute die gesamte Region lähmt.
Man muss sich wohl mit dem Gedanken anfreunden, dass mit der Machtverschiebung in der Welt, die Prognose sich nicht erfüllt, dass der Trend zur Demokratie alle Staaten der Welt erfassen wird. Im Gegenteil. Die vier Weltmächte wie auch die Vereinigung der Brics-Staaten lassen den Schritt zur Realisierung demokratischer Strukturen generell vermissen, wobei an Stelle dieser Umschreibung der Terminus des Totalitären eher anzuwenden ist. Die USA haben schon beim Amtsantritt von Trump erkennen lassen, dass es das „liberale Amerika“ nicht mehr geben soll. Zur Bestätigung des Wandels übte der reichste Mann der Welt bei der Trump-Feier bereits den „Hitler-Gruß“.
Und in Europa ist die merkwürdigste Mischung anzutreffen, nämlich mit dem Sieg des Rechtsextremismus und der gestiegenen „Rassifizierung“ wird gleichzeitig eine starke Bindung an Russland angestrebt. Damit werden Überlegungen zur politischen Wirklichkeit, Europa aus dem engen Geflecht der Bindungen an die USA zu lösen, um der neuen Orientierung Raum zu geben. Die sozio-ökonomischen Bedingungen sind davon nur mittelbar betroffen, die techno-kulturelle Zivilisation erlaubt die permanente Singularisierung der Individuen innerhalb ihrer sozialen Fragmente. Tatsächlich zeigt die Relation zwischen ethnischer Diversität, Solidarität und sozialer Wohlfahrt ein Gefahrenpotential, das im Fall von Europa, die falschen politischen Konsequenzen verursacht, nämlich die grotesk-obszöne Orientierung an totalitären Systemen. In den bisherigen Studien stehen die pessimistischen Einschätzungen von Robert Putnam von 2007 der Veränderung der Welt durch Migration und gestiegenem „sozialen Gefälle“ den optimistischen Einschätzungen „kreativer Vermischungen“ bei Stephen Vertovec von 2024 gegenüber. Als hätte es nie die Analysen von Ludwig Gumplowicz vor 140 Jahren gegeben, wird in den gesellschaftlichen Entwicklungen im 21. Jahrhundert eine beruhigende Friedfertigkeit prognostiziert, die sich von der Realpolitik der Weltmächte unberührt zeigt. Gumplowicz hatte am Vorabend des Ersten Weltkriegs eindeutig in Graz noch 1902 formuliert, dass der soziale „Klassenkampf“ in einen unversöhnlichen „Rassenkampf“ transformiert werden wird. Das 20. Jahrhundert hatte nichts unversucht gelassen, diese Hypothese zu bestätigen.
Der Traum von der demokratischen Weltgesellschaft ist ausgeträumt. Die Segnungen postindustrieller Gesellschaft, die uns Daniel Bell 1975 in Aussicht gestellt hat, verkümmern zusehends. Die immer schärfere Formulierung von politischen Ansprüchen, die weltweite Zerstörung sozialer und natürlicher Infrastruktur, die gezielte Umkehrung ehemals ausgewogener politischer Stabilität in Spielarten zügelloser Bereicherung und Korruption, in politisch legitimierten Diebstahl und Willkür, die Etablierung neuer Eliten, die ihre Inauguration sogar „demokratisch“ absegnen lassen, sind der Vorgeschmack der neuen Weltordnung. Interessant bleiben nur noch Mutmaßungen, wo und wann wohl die erste Bombe nach Hiroshima zur Durchsetzung dieser obszönen Ansprüche fallen wird?