Gedanken Reinhold Knolls

Bleibt Weihnachten?

Ein Interview mit S.  Eminenz Nicoló Albergati

Osservatore Italiano: Eminenz,  vor kurzem hatten Sie wegen Ihrer Bemerkung über das Weihnachtsfest für einige Aufregung gesorgt. Wollen Sie Weihnachten wirklich abschaffen?

Albergati: Das liegt natürlich nicht in meiner Absicht. Ich wollte einen Denkanstoß geben, den gregorianischen Kalender und damit die Abläufe im  Kirchenjahr zu reformieren.

Osservatore Italiano: Warum sollte das Direktorium der Kirche geändert werden? Es besteht seit Jahrhunderten?

Albergati: Die Geltung des julianischen Kalenders wurde 1582 beendet. Dieses Kalendarium, das auf Julius Caesar von 45 v. Chr. zurückgeht, konnte die Weltzeit mit den Konstellationen der Gestirne nicht koordinieren. Der gregorianische Kalender zwingt uns allerdings wegen seiner Ungenauigkeit zu einem Schaltjahr.

Osservatore Italiano: Inwieweit hängt das mit Weihnachten zusammen?

Albergati: Zum Zeitpunkt der Geburt Jesu hat es eine spezielle astronomische Konstellation gegeben. Wie andere Religionen orientiert sich auch die Kirche an derartigen Phänomenen. Das ist auch in der heiligen Schrift erwähnt. Wenn Juden das Neujahr zu einem anderen Zeitpunkt feiern als in der westlichen Welt üblich, die Chinesen ebenfalls, die hinduistischen Inder oder die Urbevölkerungen in Mikronesien, die buddhistischen Klöster in Tibet, so haben alle diese Feste ein tiefe Bedeutung, die ich eben unabhängig vom Kalender sehe. Mag schon sein, dass Mondphasen, Sonnenstand zum Anlass genommen werden, etwa die Tag- und Nachtgleiche zu feiern, so ist das für eine moderne Zivilisation kein triftiger Grund mehr, wie ägyptische Sterndeuter einen historisch-politischen Punkt zur Erklärung unserer Welt ausfindig zu machen.

Osservatore Italiano: Warum plötzlich diese gewaltige Veränderung?

Albergati: Ich sage Ihnen ganz offen, dass Weihnachten jeden Sinn und jede Würde verlor. Im Grunde beginnt der Karneval mit dem 1. November und endet vermutlich Ende Februar. Das Hochfest der Moderne ist Halloween. Ab dem Tag herrscht Fasching in Europa. Ich nehme diese Karnevalisierung des täglichen Lebens als deutliche Verneinung einer Glaubensüberzeugung wahr. Dafür sollte die Kirche keinen Anlass mehr bieten. Zu überlegen ist, ob nicht Weihnachten Anfang März gefeiert werden soll?

Osservatore Italiano: Da werden die Handelsketten keine Freude haben. Da wird es Kritik an der Kirche „regnen“……

Albergati: ….verdanken wir dem Handel Weihnachten? Wir sollten uns künftig da heraushalten. Wenn die Reiseunternehmen, die Handelsketten  meinen, diese Wintermonate durch ihre Konsumangebote zu gestalten, dann sollen sie es, aber ohne den Segen der Kirche.

Osservatore Italiano: Dann gibt es keine Weihnachtsbäume, keinen Punsch, keine Weihnachtsmärkte, keine Weihnachtslieder in den Kaufhäusern…Wollen Sie das?

Albergati: Ja. Die Kirche hat damit nichts zu tun. Sie ist auf der Seite der Armen und Obdachlosen in Südamerika, auf der Seite der Verfolgten und Hungernden in Afrika, auf der Seite der Diskriminierten, der Häftlinge und Gemarterten in Asien, auch auf Seiten der Opfer der modernen Zivilisation und auf der Seite der Flüchtlinge. Daher fehlt mir das Verständnis für diese Orgien, die vorgeben, Vorweihnachtszeit zu feiern.

Osservatore Italiano: Wird da die evangelische Kirche mitmachen, die anderen christlichen Kirchen?

Albergati: Nach ersten Kontakten ist die lutherische wie die helvetische Kirche durchaus geneigt, auch die Baptisten in den USA sind hier auf gleicher Linie.  

Osservatore Italiano: Wann ist dann Ostern oder Pfingsten?

Albergati: Das ist leicht auszurechnen; nach der Fastenzeit  im April und Mai, also im Juni ist Ostern. Vielleicht auch Anfang Juli und Pfingsten im August.

Osservatore Italiano: Damit werden die üblichen Urlaubspläne, die Fernreisen, die Erholungen in den Wochenendhäusern durchkreuzt. Es gibt keine verlängerten Wochenenden mehr. Wollen Sie das?

Albergati: Es ist die individuelle Entscheidung, ob man auf Mallorca sein will oder in der Pfarrkirche.

Osservatore Italiano: Fürchten Sie nicht, dass die Pfarrkirchen leer bleiben?

Albergati: Ja. Das sind die Kirchen ohnehin schon jetzt. Aber wir können noch etwas für den Naturschutz und für das Energiesparen tun. Keine Christbaumwälder mehr als Monokultur, kein verrückter Tourismus, kein Stau auf den Straßen, keine Charterflüge. Keine Alkoholisierten in den Autos, keine Gewaltdelikte Betrunkener an Frauen und Kindern.

Osservatore Italiano: Glauben Sie, dass die Juden ihr Chanukka-Fest auch verschieben?

Albergati: Das müssen sie sicher nicht. Chanukka bleibt am 25. des Monats Kislew. Die Juden haben sich noch nie an diesen dubiosen Weihnachtsmärkten beteiligt oder waren unliebsam vor Punschständen aufgefallen.   

Osservatore Italiano: Wie wollen Sie diese Initiative in Rom durchsetzen?

Albergati: Ich werden es dem Kardinalsrat vorlegen, dann versuchen, die Billigung der „propaganda fidei“ zu erreichen. So viel mir bekannt ist, schenkte der Papst diesem Plan sein Wohlwollen. Mehr ist jetzt nicht zu erwarten….

Osservatore Italiano: Eminenz, wir danken für das Gespräch