im März 2015
Zum Geleit
Baden gilt als der bekannteste Kurort in Österreich. Über mehr als 200 Jahre hatte sich der Ruf erhalten und war sogar wegen der Folgen des 2. Weltkriegs beliebter als Karlsbad in Tschechien oder Bardejov in der Slowakei, wo sich erstmals der russische und österreichische Kaiser sowie der preußische König gegen Napoleon verabredet haben. In der jüngeren Geschichte hatte Baden in den Augen vieler trotzdem zweimal Pech. Zum einen bevorzugte Kaiser Franz Joseph seit seiner Jugend Bad Ischl bis zum Lebensende, zum anderen war Baden der wichtigste Sitz sowjetischer Militärverwaltung, wodurch jene Entwicklung behindert wurde, die in Österreich viele Orte gnadenlos durch dürftige Architektur zerstörte. So blieb das Stadtbild in Baden erhalten, das bis heute die Handschrift Joseph Kornhäusels trägt. Aus unerfindlichen Gründen war sie trotz vielfältiger mondäner Anstrengungen erhalten geblieben, war also einer Modernisierung entgangen, die speziell in Niederösterreich sich lückenlos durchgesetzt hatte. Also blieb der Charakter der Badeanstalten, die klassizistische Melodie der Gebäude Kornhäusels, die pompöse Villenarchitektur der Gründerzeit bestehen, selbst gelegentliche Störungen konnte die Architektur des Biedermeier und der kleinen Weinbauern nicht auslöschen.
Für Rekonvaleszente ist Baden ein idealer Ort, sollten sie das finden, weshalb sie nicht nach Baden kamen: diese imaginäre und überzeitliche Gemeinschaft der Kurgäste, der Moribunden und Bresthaften, die dort jenes Leben führen können, das sie weder vor noch nach dem Kuraufenthalt im Himmelsbad in Baden haben führen können.
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