Gedanken Reinhold Knolls

Venezuela und die Folgen

In den Nachrichten über die veränderte Lage in Südamerika wird der Einfluss Chinas nicht erwähnt. Immerhin investierte China etwa 97 Milliarden Dollar in Venezuela, also gibt es eine sehr lebendige Beziehung. Knapp vor der Verhaftung hatte Maduro den chinesischen Geschäftsträger empfangen. Es wird daher der neuen Regierungschefin Delcy Rodriguez schwer fallen, allen Ansprüchen gerecht zu werden, den Ansprüchen ihrer Partei, jenen von Trump und China

Die Problemlage Venezuelas gleicht der Quadratur des Kreises. In der jüngsten Erklärung will Rodriguez nicht nur oppositionelle Gruppen verfolgen lassen und besteht darauf, Nicolas Maduro weiterhin als Präsidenten anzuerkennen. Die wahrscheinliche Folge wird daher ein Bürgerkrieg sein. Für Südamerika tritt eine historische Wende ein, denn erstmals wird der Subkontinent in einen Krieg verwickelt.

Es überrascht nicht, dass Trump die Führerin der Opposition im venezolanischen Parlament, die Nobel-Preisträgerin, Maria Corina Machado, links liegen lässt. Mit demokratischen Ambitionen hat Donald Trump grundsätzlich „nichts am Hut“.

Die mediale Umorientierung von der Ukraine auf Venezuela bestärkt den Verdacht, dass die neuralgischen Punkte der Weltpolitik vom Diktat der „Mächtigen dieser Welt“ bestimmt werden. Es deutet auf eine „unheilige“ Allianz zwischen Putin-Netanyahu-Trump hin. Alle drei haben erhebliche Probleme sowohl heraufbeschworen, als auch mit ihren militärischen Ambitionen die Ziele ihrer Politik benannt.

Wenn Donald Trump behauptete, mit dem Militär-Coup den Drogenhandel unterbunden und stolz ist, einen gloriosen Sieg errungen zu haben, so hat er wohl eine verzerrte Darstellung des Drogenproblems in den USA geboten. Die in der US-Gesellschaft weit-verbreiteten Amphetamine können in den Privathaushalten kaum hergestellt werden, gäbe es nicht die Ingredienzien dafür aus China, die über Mexico ins Land kommen. Das begründet vielleicht das „Erwachen“ der USA, endlich mit dieser Pseudo-Moral der Demokraten Schluss gemacht zu haben. Das ist das Fundament des politischen Erfolgs von Donald Trump, besonders bei den „rechts-konservativen“ und evangelikalen Gruppierungen in den USA.

Jedenfalls sind einige TV-Serien fast „Schulungen“ im „Drogen-Kochen“ gewesen. Die Pionier-Rolle hatte die Fernseh-Serie „Breaking bad“ von Vince Gilligan zwischen 2008 und 2013 übernommen. 2014 wurde die TV-Serie als die weltweit erfolgreichste ins „Guiness-Buch der Rekorde“ eingetragen.

Daraus ergibt sich die Frage, mit welcher Konsequenz Trump den Konkurrenzkampf der unterschiedlichen Drogen beurteilt? Würde er ernsthaft die Folgen des Konsums in den USA bekämpfen wollen, müsste er die halb-private Herstellung der Amphetamine unter Kontrolle bringen. Das hat aber wenig mit Drogen aus Venezuela zu tun…Joe Biden hatte ja Xi erfolglos gebeten, den Export der nötigen Stoffe zu drosseln.

Bislang hatte man die zerrüttende Wirkung von Drogenkonsum für die Gesellschaft nicht ernst genommen, ja als Beispiel zunehmender Liberalität bewertet und eine permissive Einstellung teils empfohlen, teils als Grundlage für gesellschaftspolitischen Fortschritt zu individueller Freiheit und Selbstbestimmung angesehen.

Schon einmal hatten konkurrierende Drogen die Welt geteilt – Alkohol und Haschisch, – und trennten die Welt in Christentum und Islam.

Der Überfall Venezuelas stellt die Ordnung des internationalen Rechts nicht nur auf den Kopf, sondern öffnet dem Imperialismus gleichzeitig ein neues Kapitel: Die Absichten der Weltmächte erfüllen nicht nur die Prognose von Lajos Krasznahorkai in „Krieg und Krieg“, sondern die politische Neuordnung demoliert zuerst das rechtsstaatliche Instrument der Bürokratie. Hier hatte Putin den Heimvorteil dank gut organisierter Polizei die Institutionen staatlicher Verwaltung und Ordnung zu instrumentalisieren. Eingehend beschreibt diesen Wandel in der russischen Administration und in der Generalstaatsanwaltschaft die finnische Journalistin Jessikka Aro.

Trump geht einen anderen Weg. Er räumt etwaige bürokratische Hindernisse durch ökonomische Machtspiele aus dem Weg und durch weitgehende Entlassungen. Benötigt der eine die polizeiliche Macht, deren bekanntestes Opfer Anna Politkowskaja gewesen war, so sorgt Trump in Inszenierungen immer schneller für „neue Wirklichkeiten“.

Da kann Europa nicht mehr mit. Nun teilt Europa das Schicksal einer alten Hure. Über Jahrzehnte von Sowjetunion oder USA ausgehalten, hat es jetzt alle Attraktivität und Anziehungs/Verführungskraft – nach Prodi, Baroso und jetzt van der Leyen – verloren. Trump will noch ein halb-koloniales Stück vom alten Europa: Grönland. Und er wird es sich nehmen – bald. Und Russland? Und China?

Alle Machthaber dieser Welt verfangen sich im Narzissmus. Ihr schadhaftes Selbstwertgefühl macht sie gefährlich. Daher ist im  Moment China der stärkste Spieler im Go, während Trump Monopoly spielt. Putin übt sich vermutlich im „Fress-Schach“. Xi hat im Unterschied zu Trump und Putin im Streit um die Macht über die gesamte Welt den Vorteil, sich vom strategischen Handbuch von Sun Tzu beraten zu lassen.

Wird Trump mit dem venezolanischen Erdöl eine Gegenstrategie eröffnen? Trump kann den Ölpreis dramatisch senken und trifft damit die Geldquelle Putins. Und gleichzeitig nimmt er Xi die schon zum Greifen nahe Chance, über venezolanisches Öl sich gegenüber Putin unabhängiger zu fühlen. 

Sun Tzu lehrt:

  • der beste Sieg ist ohne militärische Konfrontation
  • Anpassungen an Gegner, an Gelände und Zeit
  • kurze Konflikte, Schonung von Ressourcen
  • wenig Verluste
  • bei Sun Tzu umfasst die Strategie die Bereiche: der politischen Führung, der Logistik und der gesellschaftlichen Moral
  • „Kenne Dich selbst und kenne deinen Feind“

Hafen um Hafen ist weltweit in den Händen Chinas; die „Europäer“ haben ihr Know-how an China verhökert, und sind glücklich, Waren aus China kaufen zu dürfen. China hat nach dem „chinesischen Meer“ den afrikanischen Kontinent an der Kandare und Großteils Südamerika. Also ist der Wunsch Trumps nach Grönland verständlich.

Das sind jetzt die Spielregeln. Die Begeisterung für Demokratie und Weltfrieden ist zu Ende.

Hat das in Europa nur Orban verstanden?

Jedenfalls sollte Ursula van der Leyen ihr „widerstehliches“ Dauerlächeln einstellen….