Gedanken Reinhold Knolls

Eine neue Pandemie

eine „Sommergeschichte“

Trotz  Geheimhaltung gibt es erneut beunruhigende Gerüchte. Obwohl der US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy mehrfach  versicherte, dass keine Pandemie bevorsteht, gibt es Beobachtungen, die diesen Erklärungen widersprechen. Wie im Fall  der jüngsten Infektionswelle, die vornehmlich die Primatenpopulation heimsucht, ist Kennedy weiterhin entschieden gegen eine Impfung, die vor den Folgen der Briarcus morbillorum – Masern – schützt. In dessen Augen ist jede Impfung ein unzumutbarer Eingriff in das psychophysische Gleichgewicht des Körpers.

Mit diesen Aussagen hat der US-Gesundheitsminister in Fachkreisen Aufmerksamkeit und Erstaunen erregt. Man hält die Erklärungen des US- Gesundheitsministers für ein Beispiel eines fortgeschrittenen morbus Bahlsen. Vergleichbare Symptome will man repräsentativ in Bundesstaaten mit republikanischer Mehrheit entdeckt haben.

Das erste Auftreten dieser Erkrankung zeigte sich als diagnostiziertes „Imposter-Phänomen“, das im klinischen Befund eine deutliche Abnahme von Selbstreflexion und Selbstkontrolle diagnostiziert. Man konnte speziell im Bundesstaat Texas den Infektionsverlauf beobachten, der zuerst relativ harmlos mit dem „Imposter-Phänomen“ begann, sich aber dann schnell zu einem morbus Bahlsen entwickelte. Ferner war deutlich geworden, dass die Infektion sich nicht nur schnell ausbreitet, sondern sich in ungewöhnlichen „kognitiven Blackouts“ äußert. In ersten Untersuchungen, die vor Jahren an der Cornell University begannen, waren die Symptome erwähnt worden und werden seither als „Dunning-Kruger Effekt“ in der Literatur beschrieben. 1999 hatten David Dunning und Justin Kruger ihre Ergebnisse publiziert  und darauf aufmerksam gemacht, dass die merkwürdigen Formen der Ansteckung schneller erfolgen als die „Tröpfcheninfektion“ bei Masern, also durch Niesen, Husten oder Körperberührungen. Wie die Infektion im „Dunning-Kruger-Effekt“ übertragen wird, ist Gegenstand der Forschung.

Carmen Sanchez von der University of Illinois  hat kurze Zeit später festgestellt, dass ein deutlicher Zusammenhang zwischen Halbwissen und abnehmender kognitiver Urteilsfähigkeit besteht. Es tritt die deutliche Verzerrung der Selbstwahrnehmung ein, die Schädigung des Selbstverständnisses, wobei der Anspruch des Patienten auf soziale Kompetenz zwar zunimmt, aber häufig zu krankhaften Zügen des „morbus pertinacia“ führt. Diese Rechthaberei zerstört jede Art der Soziabilität, führt zur Asozialität und psychischen Isolation, die gemeinsam mit Gewaltphantasien auftritt. In den Publikationen von Harvard Medical School berichtete Carmen Sanchez, dass nun Symptome der morbus Bahlsen klar definiert werden können: Querulanz, Denkfaulheit,  Lernverweigerung, Gefühlsblindheit oder übersteigerte Empathie.

Diese Einsichten kreisen seither um die noch immer nicht beantwortete Forschungsfrage, wie die Erkrankung sich so rasch verbreiten konnte? Erste Beobachtungen gab es in Europa 1932 und 1933 von Konrad Heiden. Diese publizierte er in der ungewöhnlichen „Geschichte des Nationalsozialismus“ im Rowohlt-Verlag (!) 1932. Allerdings waren ausgerechnet von Historikern stets die schlimmen Folgen eines Weltkriegs als Erklärung ins Treffen geführt worden. Die tiefe Deprivation der Bevölkerung in Mitteleuropa begünstigte politische Illusionen, die wie Heilserwartungen aufgenommen wurden.

Nun weisen die Ergebnisse beim Dunning-Kruger-Effekt zwar in die gleiche Richtung wie vor 1933/34, können aber dennoch unterschieden werden, weil bei der Mehrheit gegenwärtiger Patienten – etwa in Texas – das Aggressionspotential in diesem  „Imposter-Phänomen“ (noch) nicht im selben Maß entwickelt zu sein scheint wie damals in Deutschland. Ferner stellten Dunning und Kruger in einer Reihenuntersuchung bei den Probanden fest, dass jene, die bei Humor, Grammatik und formaler Logik besonders schlecht abschnitten, zwar zur Selbstüberschätzung ihrer Kompetenz neigen, sie aber allen anderen ihrer sozialen Umgebung absprechen. Da ist man mit ehrenrührigen Bezeichnungen schnell bei der Hand, speziell im Bereich der Politik, in der die meisten Politiker von den Probanden für Idioten gehalten werden.
Dennoch kann man gemäß der Verlaufsgeschichte der Erkrankung  Imbezibillität oder gar eine fortschreitende Demenz dem „Dunning-Kruger-Effekt“ nicht zuordnen. Im Gegenteil. In einer geisteswissenschaftlichen Analyse ist Dietrich Bonhoeffer zum Urteil gekommen, „dass Tatsachen, die dem Vorurteil (eines Dummen) widersprechen, nicht geglaubt werden – in solchen Fällen erweist sich der Dumme sogar als kritisch. Bei genauerem Zusehen  zeigt es sich, dass jede Stärke äußerer Machtentfaltung einen großen Teil der Menschen mit Dummheit schlägt.“

Diese Einsicht kostete Bonhoeffer das Leben und er wurde in den letzten Kriegstagen im Frühjahr 1945 hingerichtet. Diese furchtbare Folge einer zutreffenden Diagnose hatte hinlänglich bewiesen, wie gefährlich der morbus Bahlsen sein kann.   

Kann man jetzt behaupten, dass mit der Uniformierung unserer Reizüberflutungen die Aneignung von Wissen in traditioneller Weise entfällt? Nimmt mit der Menge der Informationen die Desorientierung zu? Steigt zum Schutz der psychischen Stabilität die Gleichgültigkeit? Ist dort die Ursache zu vermuten, wenn in den Sozialisationen der Individuen eindeutige Veränderung und Störungen stattfinden? Kommt es wirklich zur „Gleichschaltung“ der „Bewusstseinsformationen“? Nehmen diese weit verbreiteten „interkontinentalen“ (!) Auswirkungen das Ausmaß und die Intensität einer weltweit verbreiteten Pandemie an? Sollte man nicht diese Ergebnisse mit den gleichzeitig laufenden politologischen Überlegungen verknüpfen? Eine ganze Generation wächst innerhalb dieser soziokulturellen Wandlungsphänomene heran, „stets am Rand drohender Verblödung“, weshalb man sich über das Resultat von Selektionsprozessen für politische Funktionen nicht wundern darf. Im Strukturvergleich mit Japan stellten Dunning und Kruger fest, dass Populationen, die sich noch im kulturhistorischen Zusammenhang sehen, gegenüber einer Ansteckung mit dem morbus Bahlsen lange Zeit immun bleiben.

Hingegen zeigten Probanden bei der Reihenuntersuchung an der Cornell University in Haltung, Einschätzung, Wertorientierung, Vorurteil und Ausbildung keine nennenswerten Unterschiede gegenüber politischen Funktionären. Der einzige Unterschied wird in der individuellen Machtaspiration bestehen, in der ausgeprägten Klugheit eines Säugetiers, ausschließlich am unmittelbaren und persönlichen Erfolg interessiert zu sein. Die gesamte politische Geschichte, in der Systeme entwickelt wurden, um durch Gewaltenteilung, parlamentarische Kontrolle und Verwaltungsrecht den Schutz öffentlicher Güter und individueller Freiheit zu gewährleisten, hatte schließlich zur Gründung demokratischer Republiken geführt. Nun hinterlassen diese gewaltigen Veränderungen seit geraumer Zeit beim politischen Funktionär keine Erinnerungsspuren. Das ist das Ergebnis einer ethologischen Versuchsanordnung, bei der ein rational erscheinender Weg zum Erfolg simuliert wird. Für die Untersuchungsmethode wurde das bekannte „Milgram-Experiment nachgeahmt, in dem bekanntlich die Bereitschaft  zur Gehorsamsverweigerung untersucht wurde.

In der Zusammenschau der Ergebnisse stellte sich heraus, dass es nicht nur das bekannte „trickle-down“ gehobener Konsumgüter gibt, sondern auch ein „trickle up“ egomanischer Verhaltensmuster. Menschen mit politischer Karriere scheinen diesen „Virus“ des morbus Bahlsen öfter und ausgeprägter schon in sich zu haben, was einer frühen Ansteckung entspricht. Sie sind „von Natur aus“ krank und infektiös. Die Symptome des morbus Bahlsen müssten bei den Machthabern dieser Welt zu identifizieren sein: Putin, Xi, Kimm-Jung-on, Trump Deren „Ahnen“ und Vorbilder sind bekannt und noch immer nicht auf der schwarzen Liste der Geschichtsschreibung. Ihnen folgen die Völker wie Schafe. Und Schafe erwarten vom Hirten Weideland und Geborgenheit….

Glossar

Morbus Bahlsen: Umschreibung von Grenzfällen der Debilität. Bezeichnung nach dem deutschen „Keks-Hersteller“ und bedeutet umgangssprachlich, einen „weichen Keks“ (im Österreichischen: „weiche Birne“) zu haben.

Morbus pertinacia: Eine wesentliche charakterliche Veränderung, die sich in lautem, erregten Reden, im Monologisieren und in Rechthaberei zu erkennen gibt.

Imposter-Phänomen: Selbstzuschreibung hoher sozialer Kompetenz. Überlegenheitsgefühl, Einbildung der besten Bewältigung von Alltagsproblemen.

Dunning-Kruger-Effekt: kognitive Verzerrung der individuellen  Selbsteinschätzung

Trickle-up – Trickle-down:  ist eine ökonomische Hypothese nach David Stockman, wonach der Wohlstand der Reichen langsam der gesamten  Gesellschaft zu Gute kommt (trickle-down), jedoch die sozialen Eliten ihr kulturelles Verhalten der Mehrheitsgesellschaft entnimmt. (trickle-up) Es diente stets dem  Argument, dass vor allem „die Reichen“ eine Steuerentlastung erhalten sollen.

Briarcus Morbillorum, im Volksmund Masern, Infektionskrankheit meist im Kindesalter. Diente bei der Untersuchung dem Vergleich von Inkubationszeit und Ansteckungen. Erstmals klar als „Morbilli“ diagnostiziert von Antoine Louis Béclère 1882.

Milgram-Experiment: Von Stanley Milgram 1961 durchgeführtes Experiment zur Erhebung der Bereitschaft zur Gehorsamsverweigerung.