Viel Zeit hat auch Putin nicht. Ganz gegen russische Gewohnheit muss er innerhalb der nächsten beiden Jahre in Europa zuschlagen, zumindest innerhalb der Amtszeit von Donald Trump. Anders wird Putin seinen Anspruch auf Ebenbürtigkeit in Sachen Weltherrschaft nicht geltend machen können. Russland ist nicht China. Um im Welt-Triumvirat mit Xi und Trump mitzuspielen, muss er der Aufrüstung der „Europäer“ zuvorkommen. Putin hat zwar im Krieg gegen die Ukraine gezeigt, wie leicht er einige Hunderttausend Soldaten opfern kann, er muss aber damit rechnen, dass die Opfer im Krieg gegen „Europa“ erheblich größer sein werden. Etwaige Hilfstruppen aus Nordkorea, Indien und Afrika, also „Kanonenfutter“ werden ein geringer Trost sein.
Putin wird zwei Schlachtpläne prüfen lassen. Der attraktivere Plan ist, aus Weißrussland zum Schutz der russischen Enklave Kaliningrad an der Ostsee schnell vorzurücken; um die schmale Verbindung zwischen Litauen und „EU-Europa“ zu zerstören. Man wird die Bedrohung der russischen Enklave Kaliningrad – recte Königsberg – zum Vorwand eines heftigen Angriffs nehmen. Einen durchschlagenden Erfolg muss die russische Armee mit den Mitteln strategischer Waffen – im Unterschied zum Angriff auf die Ukraine – innerhalb eines Tages erreichen. Da ist aus Kaliningrad eine große Hilfe zu erwarten, da man dort bis auf die Zähne gerüstet ist.
Der eisfreie Hafen beherbergt die russische Baltikum-Flotte und in der Enklave sind alle Angriffs- und Abwehrsysteme neu und einsatzbereit. – samt den Iskander-Raketen. Von dieser Enklave sind alle neuralgischen Ziele in Nord- und Mitteleuropa mit Raketen erreichbar: Helsinki, Oslo, Kopenhagen, Berlin, Hamburg, Warschau, Dresden, Leipzig oder Krakau.
Wichtig ist, dass der Korridor, etwa 65km breit, der Litauen mit „Europa“ verbindet, abgeriegelt und aus Kaliningrad ein gewaltiger Raketenangriff gegen EU-Europa gestartet wird. Das in Litauen stationierte Bataillon der deutschen Bundeswehr wird dagegen nichts ausrichten können. Da die NATO de facto nicht mehr existiert, verblieb die äußerste „Waffengewalt“ in den Händen der USA, die sich bewusst nicht einmengen werden.
Es wird bei einem Überfall aufs Baltikum in den nächsten beiden Jahren keine nennenswerte europäische Gegenwehr geben. Viel zu lang war man in „Europa“ dem Selbstbetrug aufgesessen, aus den man einigen pazifistischen Stolz ableitete: Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin….Jetzt siegt eben der, der hingeht.
Die zweite Variante kann bald spruchreif werden. Sollte der Busenfreund Putins im April die Wahl verlieren, wäre eine Schützenhilfe Putins ein längst fälliger Freundschaftserweis. Zwei, drei russische Luftlandedivisionen würden die „Orban´sche Ordnung“ wieder herstellen können. Es wäre ein Husarenstück, doch im Plan Putins von großem Vorteil: Durch Ungarn, Slowakei, Österreich und Schweiz wäre EU-Europa zumindest halbiert. Putins Drohfinger würde bis Basel reichen. Er hätte mit einem Schlag „zwei Fliegen“ geschlagen: Die Anerkennung Trumps wäre Putin gewiss, und Europa fristet in beider Strategie ein Schattendasein und ist zur hilflosen Schwäche verurteilt.
Sollte diese Situation eintreten, dass Putin seinem Generalstab die Durchführung beider Pläne befiehlt – und die Chancen stehen gut#, sind die schönen Jahre für Europa für lange Zeit vorbei. Dann werden in Europa die Opportunisten regieren. Sie werden darüber streiten, wessen Hörigkeit höher belohnt wird: jene werden sich aus den populistischen Parteien rekrutieren, die sich an Moskau orientieren, oder diese, vormals „westliche“, die in Washington weiterhin den politischen Magneten vermuten.