Ein Rundgang
Beginnen wir am Hohen Markt. Es ist wahrscheinlich der älteste Platz in Wien. Er diente bereits als Appellplatz für die römische Legion im 2. Jhdt. n. Chr. Von hier führte ein direkter Weg über die „Tuchlauben zum Kohlmarkt. Und da sieht man bereits das neue Burgtor als Endpunkt einer Achse. Im 3. Jhdt war die Kreuzung Kohlmarkt, Herrengasse, Augustinerstraße am Michaelerplatz von Bedeutung, denn für die römische Legion war es eine Ausfallsstraße vom heutigen Hohen Markt zum Michaelerplatz, während Herrengasse und Augustinerstraße die Tangente zur Stadt bildete, die eine Nord-Südverbindung darstellte. Mit dieser Verbindung, von der Eugippius in der Vita Sanct Severini schrieb (3. Jhdt,), war die Fernverbindung nach Süden – via heutige Oper, Karlskirche, Belvedere – gegeben und in nördlicher Richtung zum Kahlenberg, Klosterneuburg, letztlich bis Lundenburg in Tschechien.
Wendet man sich am Hohen Markt, auf dem wegen der Synagoge es antijüdische Ausschreitungen 1848 gegeben hatte, zur Wipplingerstraße, so war entlang der Straße die erste markante jüdische Ansiedlung. Die Häuser, die bis etwa 1650 bestanden, waren im jüdischen Besitz, waren jedoch im Zuge eines Pogroms angezündet worden. Das war zum Zeitpunkt der Errichtung von St. Stephan 1349. Juden wurden zusammengetrieben und am Judenplatz, gleich in der Nähe, ermordet. Der jüdische Besitz wurden beschlagnahmt und alle Wertgegenstände für verfallen erklärt. Über Nacht waren Juden arm geworden.
Mit dem Neubau der Häuser war eine markante Straße gebildet worden, die „böhmische Hofkanzlei“ links, die nach 1618 von Kaiser Ferdinand II, von Prag nach Wien übersiedelt wurde und gleich vis a vis das alte Rathaus.
Am Ende der Straße, Ecke Renngasse, ist jene Privatbank, in der Alfred Schütz arbeitete. Nach dessen Flucht aus Wien, konnte er in New York beim gleichen Bankhaus weiter arbeiten.
Zurück: Judenplatz. Zwei Denkmäler sind hier wichtig. Lessing und das neue Denkmal, das an das erste Pogrom 1349 in Wien erinnert. Rechts ist auf der Schmalseite des Platzes ein jüdisches Bethaus, auf der gegenüberliegenden Seite ein noch mittelalterliches Haus „zum Jordan“ mit einer antisemitischen Darstellung in der Fassade aus dem 14. Jhdt.
Wir gehen zurück zum Hohen Markt. Wir gehen die Rotenturmstraße hinunter, zweigen aber auf der Höhe des Fleischmarkts ab in den Rabensteig. Gleich am Beginn links ist das ganz kleine Geschäft von Eduard Kashigirew, der unbedingt besucht werden muss! Er ist der Elektronikspezialist der Kultusgemeinde. Ein Stück weiter ist links ist das Simon Wiesenthal Center. Von dort noch ein kleines Stück und man steht am Beginn der Seitenstettengasse. In dieser Gasse befindet sich die große Wiener Synagoge, die Kornhäusel entworfen hatte. Nach Vorschrift des Kaisers durfte die Synagoge am Ablauf der Hausfassaden nicht erkannt werden. Daher die anonyme Fassade. Die Seitenstettengasse weiter zur Judengasse. Diese geht man kurz zur Rupprechtskirche, der ältesten Kirche in Wien, die für die Donauschiffer errichtet wurde, denn der Donaukanal fließt im Bett der ehemaligen Donau. Im klassizistischen Haus vis a vis beobachtete Adalbert Stifter eine Sonnenfinsternis. Die Judengasse zurück, vielleicht ein Blick in die Sterngasse, durchquert das ehemalige Judenviertel ab dem 17. Jhdt. Diese Gasse führt wieder zum Hohen Markt. Nun geht man vor zur Rotenturmstrasse und geht Richtung Kai bis zur Griechengasse, die nach rechts von der Rotenturmstraße aus zum Hafnersteig führt. Hier sind noch die mittelalterlichen Häuser zu sehen. Am Ende der Griechengasse ist eine kleine serbisch-orthodoxe Kirche. Bei dieser geht man bergauf den Hafnersteig nach rechts, über Stufen zum Fleischmarkt. Hier ist die griechisch-orthodoxe Gemeinde. Es war das Zentrum des griechischen Viertels bis 1820. Der Gründer der neugriechischen Sprache war Theodor von Karajan in Wien, der Urgroßvater des Dirigenten. Den Fleischmarkt geht man Richtung Hauptpost. Dann biegt man nach rechts ab in Richtung Heiligenkreuzerhof. Linker Hand war das alte Jesuitenkolleg. Ein Blick in den Heiligenkreuzerhof lohnt sich. Hier ist die Hochschule für Musik untergebracht. Dann kommt man zur Sonnenfelsgasse, die entlang der Akademie der Wissenschaften führt. Unbedingt in die Akademie hinein am Seipel-Platz – zum Festsaal im 1. Stock! Ebenso die Jesuitenkirche besuchen von Felice d´Allio. Eine klassische Barockkirche im italkienischen Stil. Die alte Universität, jetzt Akademie, war vom frz Architekten d´Íssay errichtet worden, deshalb französisch, da Prinz Eugen von Savoyen das Projekt förderte.
In der Jesuitenkirche wurde während der NS-Zeit hinterm Hochaltar ein Rabbiner versteckt.
Von der Jesuitenkirche geht man die Bäckerstraße bis zur kleinen Essiggasse und von dort in die Wollzeile. Will man noch die Grünangergasse dazu nehmen, die von der Wollzeile gut erreichbar ist – über die Schulerstraße, vorbei am Wohnhaus Mozarts in der Domgasse, befindet sich gleich am Anfang der Grünangergasse ein jüdisches Bethaus im dritten Stock.Von dort ist es zur Singerstraße nicht weit….